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Heiratsantrag in New York

Aus Ruben’s Sicht

Ich habe mir schon seit letzem Jahr Gedanken gemacht, wie der Antrag ablaufen soll und habe mir alles mögliche überlegt. Hier ein Auszug der Möglichkeiten die ich in Betracht gezogen habe:

  • Am Strand im Urlaub
  • Auf einer Burg. Ich komme auf einem weissen Schimmel angeritten (bescheuert)

Als wir dann unseren New York Urlaub für Mai gebucht haben, war mir klar, dass ich den Antrag dort machen würde. Also bin ich Anfang Februar mit meinem Vater nach Stuttgart einen Ring kaufen gegangen. Dort haben wir uns wie die Frauen aus Sex and The City mit Schampus und Kaffee von den Verkäufern bedienen lassen. Als der passende Ring gefunden war, war ich super glücklich und mein Portemonnaie leicht wie eine Feder.

Jetzt musste ich nur noch bis Mai warten…und warten…und warten… Aber WEMPE, der Juwelier bei dem ich den Ring gekauft hatte, wollte mich nicht warten lassen und schickte mir im April einen Brief an meine Privataddresse (obwohl ich meine Geschäftsaddresse angegeben hatte) auf dem schön prominent das Logo des Juweliers prangte, das Babs gut kennt, da sie in der Werbeagentur gearbeitet hat, die für WEMPE Kampagnen macht.

Das Schlimmste war allerdings, dass der Briefumschlag halb durchsichtig war und man, wenn man nur leicht den Briefumschlag auf den Brief gedrückt hat recht gut den Betreff lesen konnte: “Ihr Kauf eines Verlobungsringes  am XX.02.2012″. Da war ich mir dann sicher, dass sie auf jeden fall Bescheid wusste….

Ich wusste zwar, dass ich den Antrag in New York machen würde, jedoch auch noch nicht genau wie. Da gibt es so viele Möglichkeiten. Hier mal wieder ein Auszug aus meiner Liste:

  • Im Zoo im Pinguin-Haus hält der Wärter ein Schild hoch “Willst du mich heiraten?”
  • Man kann am Times Square einen LED-Bildschirm für eine Nachricht mieten, aber das waren mir zu viele Leute…
  • Auf dem Empire State Building oder Rockafeller Center (total abgenutzt…)
  • In einem schönen Restaurant

Für welche Variante ich mich entschieden habe? Für keine der 4 genannten…An dieser Stelle nur so viel: Es durfte nicht regnen, es sollte möglichst nicht kalt sein und ich musste jemand finden, der für den Platz dekoriert.
Es hat nicht geregnet, es war richtig kalt und das mit der Dekoration ist mächtig in die Hose gegangen!

Ich hatte eine Freundin von mir, die in New York wohnt, gebeten den Platz mit Rosen und Kerzen zu dekorieren und Champagner und Gläser bereit zu stellen, bevor Babs und ich dort ankommen sollten. Meine Bekannte hatte aber wenig Zeit und das Ganze auch nicht richtig verstanden und hat eine Rose und eine Flasche Champagner per Kurier an das Bootshaus-Restaurant im Central Park geschickt in dem ich einen Tisch für NACH dem Antrag reserviert hatte. Dazu hat sie mich kurz bevor Babs und ich per Limousine (die hatte ich mehr für mich geordert – ein Mercedes S550) abgeholt wurden ein paar Mal angerufen und ich musste mir jedesmal eine neue Ausrede für Babs einfallen lassen, warum sie mich dauernd anruft. Ich wurde also schon richtig nervös.

Babs wusste nicht, dass wir von einer Limousine vom Hotel abgeholt werden sollten, ich hatte ihr nur gesagt, wir gehen schick Essen. Als ich dann schurstracks auf den Mercedes zu gegangen bin, muss sie sich wohl gewundert haben – sie hat jedoch noch nicht einmal bemerkt, was für ein Auto das war, und dass es nicht einer von den normalen Lincoln Taxis war…
Auf der Fahrt habe ich ihr dann erzählt, dass ich das Auto gemietet habe und wir zu einem netten Restaurant fahren, das hatte sie glaube ich auch geschluckt, obwohl ich ja immernoch der Meinung war, dass sie schon bescheid wusste (Stichwort: Brief).

Als wir dann am Central Park angekommen waren mussten wir noch ein Stück zum See gehen und weil es so kalt war, meinte Babs “So lange wir nicht Boot fahren…”. Aber genau das ist es, was ich geplant hatte… Eine Fahrt mit einer original venezianischen Gondel (und singendem Gondoliere) auf dem Central Park See – und es war wirklich kalt…

Babs meint zwar im Nachhinein, dass sie zu dem Zeitpunkt als wir in der Gondel saßen, immer noch nicht damit gerechnet hat einen Antrag zu bekommen. Ich glaube aber, dass sie es dann wusste. Jedenfalls sind wir über den See geschippert bis der Gondoliere gefragt hat, ob er mit meinem Handy ein Foto von uns machen soll. Als er ein paar Fotos geknippst hat und mir die Kamera zurück geben wollte, habe ich gedacht “dass ist DIE Gelegenheit” und habe ganz cool zu ihm gesagt, dass er sie noch kurz behalten soll.

Dann war ich so aufgeregt, dass ich gar nicht viel sagen konnte und Babs gefragt habe, ob sie meine Frau werden will. Erst sagte sie “Nein”, was wohl eher der Überraschung geschuldet war als die Antwort zu sein.Trotzdem habe ich zur Sicherheit noch einmal nachgefragt und dann hat sie “Ja” gesagt.

Aus Barbara’s Sicht

Verlobungsgeschichte New YorkMh- ein Brief von Wempe im Postkasten- verdächtig.

Aber statt mir viel dabei zu denken und nicht all zu sehr zu hoffen, dass er mir endlich einen Antrag macht, hab ichs auf die Mini (Rubens Schwester) geschoben u dachte, dass da ev. was mit ihrer Hochzeit zu tun hat. Und Rubens Erklärung, er habe bei einem Gewinnspiel mitgemacht, war dann doch sehr dürftig, aber ich hab absichtlich nicht zuviel darüber nachgedacht.

In New York selbst habe ich nicht mehr daran gedacht, Ruben will ja „keine Studentin heiraten und vor 30 schon gar nicht!“. Nach einem perfekten Tag mit viel Sightseeing haben wir endgültig unsere Herzen an die Stadt verloren und scherzhaft überlegt wie und ob man doch nicht mal für ein paar Jahre hierherzieht.

Geplant war nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel irgendwo Essen zu gehen, ich dachte eher an U-Bahn und HotDog, doch als Ruben meinte, ich soll mich beeilen, der Wagen wartet, fand ich das dann doch etwas verdächtig.
B: „Wie Wagen?? Meinst du Taxi?“ Ruben meinte nur ganz cool „Nein, Ich hab einen Wagen bestellt.“

Aufregung pur, ein schwarzer Schlitten mit Chauffeur (samt Mütze und Handschuhe) wartete auf uns, um uns durch ganz Manhattan zu fahren. Durch die Häuserschluchten gings über die 5th Avenue zum Central Park. Rubens nüchterne Erklärung war, dass er einen romantischen Abend geplant habe. Ich dachte, naja nach 5,5 Jahren wird’s auch mal Zeit das du sowas organisierts, dachte aber nicht wirklich an einen Antrag, vielleicht hab ich es gehofft, aber ich wollte nicht daran denken, sondern den Moment genießen: So extrem haben Rubens Augen noch nie gestrahlt.

Als wir im Central Park ankamen und auf den See zuliefen, war es doch schon sehr kalt, die Sonne kurz vorm untergehen, und nachdem Ruben mich zum 100. Mal gefragt hat, ob mir eh nicht zu kalt sei, meinte ich: „Solange wir ned Bootfahren isses ok.“ Seinen Gesichtsausdruck werde ich danach nie vergessen: „ Das war der Plan!“ Armer Ruben dachte ich, wenn er so gequält aussieht, kann es nur mega wichtig für Ihn sein: “Naja beim rudern wird uns schon warm werden.“
Nur als wir am See ankamen hab ich gesehen, dass es sich um eine riesige venezianische Gondel handelt – das hat mich dann doch überrascht- Ich hab gleich an Venedig denken müssen, unser erster Urlaub, damals war uns die Gondelfahrt aber zu teuer.

Als wir dann so über den See glitten, und der Gondoliere ein Lied zum Besten gegeben hatte,steuerten wir auf die berühmte Brücke im Park zu. Da hab ich auf einmal ein Schild gelesen: „Will you marry me?“ stand da in großen bunten Buchstaben, ich schaute Ruben an, er grinst nur komisch, mein Gedanke: NEIN ich wills hören, nicht lesen! Und warum auf Englisch??- Gott sei Dank hab ich dann auch gelesen, dass das Schild für „Angela“ bestimmt war, und wir sahen ein Pärchen auf der Brücke stehen.

Ich und Ruben haben gleichzeitig kurz gelacht. Er verschmitzt- wissend, ich nervös- ahnend.
Der Gondoliere fragte dann nach Rubens Handy und machte ein Foto von uns- Skyline samt Sonnenuntergang. Als Ruben dann meinte er kanns behalten, er muss jetzt was machen, war ich kurz perplex und Ruben griff grindens in seine Manteltasche und holte eine kleine rote Schachtel raus. Seit dem Augenblick funktionierte mein Hirn nur mehr in Zeitlupe, den ganzen restlichen Abend.

Ich war wirklich so überrascht, dass ich nach Rubens: „ Barbara, wir sind jetzt seid 5,5 Jahren zusammen-„ ich nur mehr „ Naaaa, Naaaa, Naaaa“ sagen konnte, vor lauter „Uaaa ich kanns nicht glauben- das ist alles so perfekt.“
Nach Rubens Frage, ob ich Ihn heiraten möchte und „WIE – NEIN?“ Konnte ich nur mehr ganz laut JAA rufen.

Mit Tränen in den Augen und vor lauter Überraschung hab ich ihm die falsche Hand hingehalten, aber Hauptsache der Ring passt perfekt und ist genau so, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe, ohne Ruben gesagt zu haben, wie ich ihn mir vorstelle, obwohl ich immer betont habe, dass ein Kaugummiautomatenring reicht.

Schön ist, dass wir nun Dank dem Gondoliere Fotos haben, die uns immer an diesen perfekten Zeitpunkt erinnern werden. Einfach, romantisch, lustig, wunderschön und sehr kalt. New York wird immer eine spezielle Bedeutung für uns haben, mehr als die andren Orte zu denen wir gereist sind, Abenteuer erlebt haben oder an denen wir gelebt haben.

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